Exosomen sind extrazelluläre Vesikel mit einem Durchmesser von 30 bis 150 Nanometern, die von nahezu allen Zelltypen freigesetzt werden und als biologische Botenstoffe die Kommunikation zwischen Zellen vermitteln. Sie transportieren Proteine, Lipide und Nukleinsäuren (microRNA, mRNA) von einer Zelle zur anderen und können so deren Funktion modulieren. In der ästhetischen Medizin werden Exosomen aus mesenchymalen Stammzellen, Thrombozyten oder pflanzlichen Quellen gewonnen und topisch oder intrakutan appliziert, um dermale Reparaturprozesse, Kollagenneubildung und Geweberegeneration zu unterstützen. Als zellfreie Komponente regenerativer Verfahren liefern sie die Signalwirkung, ohne dass ganze Zellen übertragen werden.
Wie wirken Exosomen
Exosomen wirken primär parakrin: Sie binden an Zielzellen, fusionieren mit deren Membran und übertragen ihren Inhalt (Wachstumsfaktoren, microRNA, Signalproteine, Lipide) in das Empfängergewebe. Dieser Mechanismus unterscheidet sie von klassischen Wirkstoffen, die rezeptorabhängig agieren.
Im Hautgewebe werden drei Wirkrichtungen beschrieben. Erstens die Immunmodulation: Über entzündungshemmende Zytokine wie TGF-β und IL-10 können proinflammatorische Signalkaskaden herunterreguliert werden, was für ein günstiges Umfeld der Gewebereparatur relevant ist. Zweitens die Regeneration: Wachstumsfaktoren (z. B. PDGF, FGF) und microRNAs aktivieren Fibroblasten zur Synthese von Kollagen Typ I und III sowie Elastin und beeinflussen den Umbau der extrazellulären Matrix; zugleich werden Matrix-Metalloproteinasen reduziert, die am Kollagenabbau lichtgeschädigter Haut beteiligt sind. Drittens die Angiogenese: Pro-angiogene Faktoren wie VEGF und microRNAs wie miR-126 regen Endothelzellen zur Bildung neuer Gefäßstrukturen an. Hinzu kommt eine beschleunigte Keratinozyten-Migration, die die Re-Epithelialisierung in Reparaturarealen fördert.
Anwendungsformen und Varianten
Die Einteilung erfolgt nach Applikationsweg, Quelle und Formulierung.
Nach Applikationsweg: topisch nach Verfahren, die die epidermale Barriere vorübergehend öffnen (z. B. Microneedling, Laser, Plasma), intrakutan in die mittlere Dermis (Meso-Anwendung, 2–4 mm) sowie subkutan für die Follikelversorgung bei Haarausfall (4–6 mm). Ohne vorherige Barriereverfahren ist die Eindringtiefe bei topischer Applikation deutlich reduziert.
Nach Quelle: Exosomen mesenchymaler Stammzellen (aus Fettgewebe, Nabelschnurblut oder Knochenmark) haben die reichste Wachstumsfaktorladung. Thrombozyten-Exosomen stammen aus Patientenblut oder gepoolten Blutpräparaten und sind mechanistisch mit PRP verwandt. Pflanzliche Exosomen (z. B. Centella asiatica) enthalten kein menschliches oder tierisches Material und sind regulatorisch weniger heikel, werden aber nicht aus Blut gewonnen und unterscheiden sich in ihrer Wirkung.
Nach Formulierung: Lyophilisate (längere Haltbarkeit, Rekonstitution unmittelbar vor der Anwendung), gebrauchsfertige Lösungen oder Gele sowie Kombinationspräparate mit Polynukleotiden, Hyaluronsäure oder Wachstumsfaktoren.
Indikationen und Kontraindikationen
Beschriebene Einsatzgebiete in der ästhetischen Medizin sind Hautalterung und Elastizitätsverlust (Gesicht, Hals, Dekolleté), Photoaging und Dyspigmentierung, Akne- und postoperative Narben, Striae, Melasma, androgenetische Alopezie und diffuser Haarausfall, periorbitale Hautalterung, Rosazea sowie die Regeneration der Haut nach ablativen Verfahren.
Absolute Kontraindikationen sind bekannte Allergien gegen Bestandteile der Formulierung, aktive maligne Erkrankungen im Areal, akute Infektionen, offene Wunden oder Entzündungen im Zielbereich sowie Schwangerschaft und Stillzeit. Relative Kontraindikationen sind Autoimmunerkrankungen und Immunsuppression, aktives Herpes simplex im Areal, Keloidneigung, gerinnungshemmende Medikation bei intrakutaner Injektion und Nikotinabusus.
Häufige Reaktionen sind lokale Rötung, leichte Schwellung (typisch 24–48 Stunden), Hämatome und Druckschmerz an den Einstichstellen. Selten treten Allergien auf Trägersubstanzen auf; Infektionsrisiken entstehen vor allem bei Verstößen gegen Asepse-Standards. Typische Anwendungsfehler sind der Einsatz nicht steriler oder regulatorisch ungeklärter Präparate und eine unterbrochene Kühlkette bei Lyophilisaten.
Studienlage
Die klinische Evidenz zu Exosomen in der ästhetischen Dermatologie wächst, ist aber noch begrenzt. Park et al. (2023) untersuchten in einer prospektiven, randomisierten Split-Face-Studie mit 28 Probanden die Kombination aus stammzellabgeleiteten Exosomen und Microneedling über 12 Wochen und fanden gegenüber Microneedling allein signifikante Verbesserungen bei Kollagengehalt, Faltenreduktion, Elastizität, Hydratation und Dyspigmentierung (DOI: 10.1111/jocd.15872).
Theodorakopoulou et al. (2024) dokumentierten für pflanzliche Stammzell-Exosomen in Kombination mit nicht-thermischem Microneedling bei Gesichtspigmentierung messbare Aufhellungseffekte bei gutem Sicherheitsprofil (DOI: 10.3390/app14167252). Proffer et al. (2022) beschrieben in einer sechswöchigen Studie mit 56 Teilnehmern für ein topisches Serum mit thrombozytenabgeleiteten Exosomen Verbesserungen bei Hautelastizität, Rötung und Textur (DOI: 10.1093/asj/sjac149).
Ein systematischer Review (Skin Health and Disease, 2024) wertete 34 Studien aus den Jahren 2010–2023 aus und identifizierte vier prospektive klinische Studien zur Anwendung in der kosmetischen Dermatologie. Limitiert bleibt die Aussagekraft durch fehlende Protokollstandardisierung (DOI: 10.1002/ski2.70011).
Autologe Exosomen und Abgrenzung zu PRP
Klassisches PRP enthält patienteneigene Wachstumsfaktoren in nicht standardisierter Konzentration und hängt von der individuellen Thrombozytenzahl und dem Aufbereitungsprotokoll ab. Bei der Standard-Aufbereitung wird zudem das thrombozytenarme Plasma (PPP) häufig verworfen, obwohl es Exosomen enthält. Allogene oder pflanzliche Exosomen-Präparate sind dagegen definierter dosierbar, unterliegen aber je nach Formulierung und Applikationsweg unterschiedlichen regulatorischen Anforderungen; Langzeitdaten und EU-Standardprotokolle fehlen bislang.
Einen dritten Weg beschreiben autologe Konzentrationsverfahren: Dabei wird das körpereigene Plasma per Ultrafiltration aufkonzentriert, sodass keine Fremdmaterialien zugeführt werden. exosmart® ist ein solches System (Medizinprodukt der Klasse IIa gemäß MDR). Es verarbeitet PRP und PPP und behält alle Bestandteile über 15 kDa zurück; laut Hersteller entsteht ein Konzentrat mit bis zu 3,0 x 10¹³ Partikeln pro Milliliter, gemessen per Nanoparticle Tracking Analysis nach den MISEV2023-Richtlinien. Die Konzentration der Partikel ist dabei nicht gleichbedeutend mit einem klinischen Effekt; unabhängige klinische Studien zu diesem Verfahren stehen noch aus.
Praktische Hinweise für die Praxis
Dosierung und Protokoll sind herstellerabhängig; für Exosomen-Präparate werden häufig 1–10 Milliarden Exosomen pro Milliliter angegeben, die Herstellerangaben sind maßgeblich. Lyophilisierte Präparate benötigen eine durchgehende Kühlkette. Vor intrakutanen Anwendungen sollten Asepse, Aufklärung und die Kontraindikationen geprüft werden. Autologe Verfahren wie exosmart® benötigen eine Blutentnahme und eine Standard-Laborzentrifuge; die Anwendung erfolgt im selben Verfahren, in dem das Konzentrat hergestellt wird. MedSaB ist Distributor für die DACH-Region.

